Optimales Klima im Büro: Tipps und Richtlinien für mehr Wohlbefinden und Produktivität
In Zeiten steigender Temperaturen und zunehmender Hitzeperioden wird das Raumklima im Büro zu einem zentralen Thema für Arbeitgeber und Beschäftigte. Ein angenehmes Arbeitsumfeld steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern schützt auch die Gesundheit. Dieser Blogbeitrag basiert auf den aktuellen Publikationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), insbesondere der DGUV Information 215-520 „Klima im Büro“ (Ausgabe Dezember 2025), der DGUV Regel 115-401 „Branche Bürobetriebe“ (Ausgabe Januar 2026) und der DGUV Information 215-510 „Beurteilung des Raumklimas“ (aktualisierte Fassung). Letztere bietet wertvolle Ergänzungen zur systematischen Gefährdungsbeurteilung und praktischen Maßnahmen, um das Klima zu optimieren.
Wir beleuchten die wichtigsten Parameter wie Lufttemperatur, Feuchte, Geschwindigkeit, Lüftung und Qualität, geben Antworten auf häufige Fragen und zeigen, wie Sie Beschwerden entgegenwirken können. Alle Empfehlungen orientieren sich an den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR), wie ASR A3.5 „Raumtemperatur“ und ASR A3.6 „Lüftung“.
1. Lufttemperatur: Der Kern des Wohlbefindens
Die Lufttemperatur ist der entscheidende Faktor für Behaglichkeit im Büro. Laut DGUV 215-520 sollte sie idealerweise zwischen 20 °C und 22 °C liegen, darf aber bis 26 °C steigen. Bei sommerlichen Außentemperaturen über 26 °C gilt das Stufenmodell aus ASR A3.5:
- Bis 26 °C: Behaglicher Bereich, keine Maßnahmen notwendig.
- Über 26 °C bis 30 °C: Maßnahmen empfohlen, z. B. Sonnenschutz aktivieren, Nachtlüftung nutzen oder flexible Arbeitszeiten einführen.
- Über 30 °C bis 35 °C: Maßnahmen obligatorisch, inklusive Getränkebereitstellung und Pausen in kühleren Räumen.
- Über 35 °C: Raum ungeeignet ohne Kühlung; Hitzearbeit vermeiden.
Die DGUV 115-401 betont, dass in Bürobetrieben die Temperatur an Bildschirmarbeitsplätzen nicht zu stark schwanken darf, um Konzentration zu gewährleisten. Ergänzend aus DGUV 215-510: Bei Wärmebelastung (über 26 °C) den Risikograph Klima anwenden, um Belastungen zu bewerten. Beispiel: Bei 30 °C und 50 % Feuchte liegt der Schnittpunkt im gelben Bereich – Maßnahmen wie verbesserte Lüftung sind erforderlich.
Tipps gegen Hitze (aus DGUV 215-510 und 215-520):
- Früherer Arbeitsbeginn oder Homeoffice.
- Ventilatoren einsetzen, aber Zugluft vermeiden.
- Bei Kälte unter 20 °C: Heizstrahler oder wärmere Kleidung.
2. Luftfeuchte: Oft unterschätzt, aber wichtig
Die relative Luftfeuchte sollte 30–60 % betragen, um Trockenheit oder stickiges Klima zu vermeiden. DGUV 215-520 warnt: Zu trockene Luft (unter 30 %, häufig im Winter) kann Augen und Schleimhäute reizen, ist aber gesundheitlich unproblematisch, wenn Flüssigkeitsaufnahme ausreicht. Zu hohe Feuchte (über 60 %) fördert Schimmel.
Aus DGUV 115-401: In Büros mit vielen Personen oder Geräten steigt die Feuchte – regelmäßige Lüftung hilft. DGUV 215-510 ergänzt: Im Fragebogen zur Raumklimabeurteilung wird Feuchte bewertet; bei Werten über 60 % (Bewertung 1) Maßnahmen wie Entfeuchter prüfen.
Empfohlene Maßnahmen:
- Bei Trockenheit: Keine Verdunster einsetzen, stattdessen trinken.
- Bei Feuchte: Quellen (z. B. Lecks) beheben und lüften.
3. Luftgeschwindigkeit: Keine Zugluft bitte!
Zugluft ist eine häufige Beschwerde und entsteht bei Geschwindigkeiten über 0,15 m/s. DGUV 215-520 empfiehlt: Maximal 0,1 m/s im Winter, 0,2 m/s im Sommer. DGUV 115-401 rät, Arbeitsplätze nicht direkt vor Fenstern oder Lüftungsauslässen zu positionieren.
DGUV 215-510: Im Bewertungsbogen Zugluft als -1 oder -2 markieren – dann Blenden oder Umplatzierung einsetzen.
Praktische Tipps:
- Fenster schließen, wenn Wind zieht.
- Ventilatoren so richten, dass sie erfrischen, ohne zu stören.
4. Lüftung: Frische Luft für klare Köpfe
Ausreichende Lüftung verhindert CO₂-Anreicherung und Gerüche. DGUV 215-520: Stoßlüftung alle Stunde (5–10 Minuten) oder mechanische Anlagen. ASR A3.6 fordert mindestens 30–50 m³/h Frischluft pro Person.
DGUV 115-401: In Großraumbüros RLT-Anlagen (Raumlufttechnik) einplanen, um Lärm und Zug zu minimieren. Aus DGUV 215-510: Fragebogen für RLT-Anlagen prüft Hygiene und Wartung; bei Problemen Fachleute rufen (VDI 6022).
Maßnahmen bei schlechter Luftqualität:
- CO₂-Werte messen: Unter 1000 ppm OK, über 2000 ppm lüften.
- Pflanzen einsetzen (siehe unten), aber nicht übertreiben.
5. Luftqualität und Pflanzen: Natürliche Helfer?
Schlechte Luftqualität führt zu Müdigkeit. DGUV 215-520: Gerüche von Druckern oder Teppichen vermeiden. Pflanzen verbessern die Qualität, aber nur bei richtiger Pflege – zu viele können Feuchte erhöhen.
DGUV 115-401: Grüne Wände oder Pflanzen als Schallabsorber. DGUV 215-510: Im Fragebogen „Innenraumbelastung“ Schimmel oder Allergene prüfen; bei Ja Maßnahmen wie Reinigung.
Pflanzen-Tipps aus DGUV 215-520:
- Geeignet: Gummibaum, Efeu (filtert Schadstoffe).
- Vermeiden: Feuchte Erde, die schimmelt.
6. Psychische Faktoren und Beschwerden: Mehr als nur Temperatur
DGUV 215-520: Psychische Belastungen (Stress, Monotonie) verstärken Klimaempfindungen. Bei Beschwerden: Zuerst befragen, dann messen.
DGUV 115-401: Gute Führung reduziert Konflikte. Aus DGUV 215-510: Stufenweise Beurteilung – Stufe 1 mit Fragebogen, Stufe 2 mit Experten. Psychische Belastung separat bewerten (GDA-Leitfaden).
Vorgehensweise bei Beschwerden:
- Ortstermin und Gespräche.
- Fragebögen aus DGUV 215-510 nutzen.
- Hilfestellen: Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft oder DGUV.
Fazit: So schaffen Sie ein ideales Büroklima
Ein optimales Raumklima basiert auf Balance und Prävention. Nutzen Sie die DGUV-Richtlinien für Ihre Gefährdungsbeurteilung – die Ergänzung durch DGUV 215-510 mit Fragebögen und Risikograph macht es praxisnah. Bei Extremen (Hitze über 35 °C) sofort handeln, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Für individuelle Beratung kontaktieren Sie Ihren Unfallversicherungsträger.
Quellen und weitere Infos:
- DGUV 215-520: www.dguv.de/publikationen (Webcode p215520)
- DGUV 115-401: www.dguv.de/publikationen (Webcode p115401)
- DGUV 215-510: www.dguv.de/publikationen (Webcode p215510)
- ASR A3.5 und A3.6: www.baua.de